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Postf#cktisch*

05/04/2017

* auf Gefühlen, nicht auf Tatsachen beruhend.

Basis für jede konstruktive Kommunikation, die nicht nur dem Smalltalk dient, war bislang die Vernunft. Die beteiligten Partner waren sich (zumindest meistens) darüber einig, dass wahr ist, was sich belegen lässt. Leider scheint diese Zeit jetzt vorbei zu sein. (So ganz neu ist das alles allerdings auch nicht, schon Friedrich Nietzsche sagte, „Es gibt keine Fakten, nur Interpretationen“.)

Sich auf Fakten zu beziehen, gilt in manchen Kreisen bereits als intellektuell hochmütig, besserwisserisch und selbstgefällig. Und selbst belegbare Tatsachen werden entweder ignoriert, vehement bestritten oder gar mit gefühlten, nicht belegbaren „Wahrheiten“ und Interpretationen gekontert.

Unwahrheiten gelten als gleichberechtigt mit Fakten, Glauben ist gleichberechtigt mit Wissen.

Höchst beliebt ist auch, dem Partner genau das zu unterstellen, was für den Untersteller selbst in besonderem Maße zutrifft – wahlweise Treulosigkeit, Unehrlichkeit, Überheblichkeit, Selbstherrlichkeit, Boshaftigkeit, Desinformation, fehlende Kritikfähigkeit, Denunziantentum oder dergleichen mehr.

Mein Tipp, wenn Sie mit solchen Menschen in Ihrem privaten Umfeld zu tun haben:
Entfernen Sie sich. Diskret und so weit wie möglich.

„Ich würde eher sagen: Es gibt Leute – nehmen Sie Boris Johnson oder Donald Trump -, die lügen. Die existieren nicht in einer postfaktischen Welt, sondern sie lügen, gnadenlos und offensichtlich. Dieses Lügen muss man als Lügen bezeichnen. Da nützen neue Etiketten gar nichts, die verharmlosen das eher. Die Lüge bleibt eine Lüge.“ Harald Welzer, Soziologe und Direktor der gemeinnützigen Stiftung ‚Futurzwei‘

Fake News sind immer nur die Nachrichten und Kommentare, die aus anderen, unliebsamen Quellen kommen und der eigenen Meinung oder auch nur Verlautbarung widersprechen.

Die Wurzel des Problems (…) ist ein bekanntes Paradox“, schreibt Lepore, „die Vernunft kann sich nicht verteidigen, ohne auf die Vernunft zurückzugreifen.“

In einer öffentlichen Kommunikation, die an der Vernunft kein Interesse hat, ist sie schutzlos.

In den achtziger Jahren prägte der US-Amerikaner Lee Atwater (Wahlkampfmanager für Ronald Reagan und George Bush Senior) den Satz „perception is reality“, Realität sei das, was man wahrnehme, empfinde.

Wenn Menschen an etwas glauben, ist es dann noch wichtig, dass dieses etwas wahr ist?

Quellenangaben und Lesetipps:

http://cicero.de/salon/politik-und-wahrheit-willkommen-in-der-postfaktischen-welt

http://www.zeit.de/kultur/2016-12/postfaktisch-wort-des-jahres-post-truth-demokratie-jill-lepore/seite-2

https://www.welt.de/kultur/article160136912/Was-Sie-ueber-das-Wort-des-Jahres-wissen-muessen.html

http://www.br.de/nachrichten/postfaktisch-bedeutung-erklaerung-100.html

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