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Konfliktmanagement: Konfliktpotential reduzieren – die 4 Seiten einer Botschaft

03/02/2017

4-ohren-modellWenn Sie ihre Art zu kommunizieren, andere zu verstehen und Konflikten vorzubeugen verbessern wollen, ist dieses Modell eine ausgezeichnete Basis, um damit für mehr Verständnis zu sorgen und mehr Klarheit zu schaffen.

Die generelle Aussage des Modells:

Wir alle hören bei jeder Botschaft unterschiedliche Aspekte heraus und dies führt dann zu den unterschiedlichsten Reaktionen auf die Aussage.

Beispiele:

Ihr Lebensglück zu Hause kommt von einem Toilettengang und teilt Ihnen mit: „Die Spülung funktioniert nicht mehr.“

Hören Sie jetzt vor allem den Aspekt der Sachaussage, wäre Ihre Antwort wohl etwas in der Art: „Habe ich auch schon bemerkt“, oder „Oh – ist mir neu“.

Liegt der Schwerpunkt unseres Hörens auf dem Appell-Ohr (wozu fordert uns die Aussage auf), antworten wir womöglich: „So ein Mist – ich kümmere mich sofort darum“, oder „Soll ich mich darum kümmern?“

Hören wir besonders intensiv auf dem Beziehungsohr (was sagt die Aussage über unser Verhältnis zum Sender), wird wohl etwas in dieser Art als Antwort kommen: „Warum sagst Du mir das, ich bin hier doch nicht der Klempner“, oder „Bei mir ging sie vorhin noch, was hast Du (wieder) angestellt?“

Sind wir stark auf den Anteil der Selbstoffenbarung fixiert (was sagt der Sender der Botschaft über SICH aus), wird eine völlig andere Reaktion wahrscheinlich, z.B. „Du hast ja wirklich schwerwiegende Probleme“.

Frauen und Männer

Männer reagieren in unserer Gesellschaft überwiegend auf den Sachanteil und meinen mit ihren Aussagen i.d.R. auch nichts anderes als das, was sie gesagt haben.

Frauen reagieren tendenziell stärker auf den Beziehungsanteil von Aussagen und kommunizieren selbst häufiger indirekt und beziehungsorientiert.

Beispiel: Er hat im Job eine klar kommunizierte Aufgabe nicht wie gewünscht erledigt und dafür einen Rüffel bekommen. Die Kollegin, die die Aufgabe kommuniziert hat, leidet mit ihm und sagt vielleicht: „Kann ja mal passieren, vielleicht hätte ich es auch noch klarer formulieren sollen.“ Reaktion: „Ich nehme Ihre Entschuldigung an.“

Frauen fragen sich bei Botschaften, die sie hören eher „Was will der andere mir damit über unsere Beziehung zueinander sagen?“ Und das eben auch, wenn ER Garnichts anderes damit sagen wollte, als er gesagt hat.

Beispiel: Sie sagt: „Soll ich mich um die Reparatur der Toilettenspülung kümmern?“, meint aber z.B.: Ich habe schon so viel zu tun, Du kannst es selbst probieren oder kennst jemanden, der sich darum kümmern kann. Jetzt hast Du die Gelegenheit, ritterlich zu sein und mich zu entlasten – oder bin ich Dir etwa nicht mehr wichtig?

Er antwortet etwa: „Ja, gerne“, hört nur die sachliche Frage, denkt an alles, was er aktuell zu tun hat und ist froh, dass sie ihm etwas abnimmt.

Sie denkt: „Ich bin ihm nicht mehr wichtig“ und reagiert entsprechend. Er fällt aus allen Wolken, weil der Vorschlag doch von ihr kam.

Es kann aber auch ganz anders sein – dies ist lediglich ein häufig anzutreffendes Muster, jeder Einzelfall kann davon abweichen. Nur auch hier gilt: Nach einer Weile sollten wir das Muster kennen.

Hier noch Beispiele für das Appell- und Selbstoffenbarungsohr:

Appell-Ohr – häufig anzutreffen bei Pubertanten, die gelegentlich aus hormonrevolutionären Gründen den überwiegenden Teil des Tages gegen den Strich gebürstet scheinen und überall unbotmäßige Bevormundung wittern. Selbst einfache Aussagen wie: „Morgen kommt Oma“ oder „Draußen ist es kalt“ werden genervt gekontert mit „Ich räum mein Zimmer schon auf“ oder „Ich zieh mich schon warm genug an“. Allerdings gibt es auch nicht wenige Menschen, überwiegend Männer, die ständig die Lösungskappe aufhaben und jeden, auch den zartesten Hinweis als Appell an ihre „Bob der Baumeister“ Macher-Befähigung auffassen und sofort mit Lösungsvorschlägen kommen, wo der/die/das PartnerIn sich vielleicht nur Interesse, Wertschätzung und Verständnis wünscht.

Selbstoffenbarungsohr – der Klassiker unter den Menschen mit einem riesigen solchen sind professionelle oder hobbymäßige Psychotherapeuten. Alles was das Gegenüber sagt, wird darauf reduziert, was es damit über sich selbst sagt.

Beispiel:
Aussage des Klienten: „Sie sind ein Armleuchter, Herr Doktor!“ wird nicht selten gekontert mit: „Und wie lange spüren Sie diese Aggressionen schon?“

So – was sind jetzt daraus abgeleitet die Empfehlungen?

  1. Üblicherweise Männer bitte erstmal wortwörtlich nehmen, Frauen erst nach der Nachfrage:
    Z.B. Was meinst Du? Wie siehst Du das? Was ist Dein Vorschlag, oder so ähnlich.
  2. Wenn wir wissen, dass jemand stark auf dem Beziehungsohr hört und wir sachliche Kritik üben wollen, tun wir gut daran, diese mit einer positiven Beziehungsaussage zu kombinieren. Z.B. Du bist mir wichtig und es tut mir weh, wenn andere eventuell nicht so positiv über Dich denken, deshalb möchte ich Dir sagen, was ich gestern Abend auf der Party beobachtet habe … es folgt die „Ich-Botschaft“.
  3. In Situationen, in denen viel Emotionen auftauchen, sich zuerst einmal mit dieser zu befassen. Z.B. mit dem s.g. „Du-Statement“.
  4. Wenn wir eine explizite Sachinformation kommunizieren, dies vorab zu sagen, z.B.: „Dies ist nur zur Information, es ist damit keine Handlungsaufforderung und keinerlei Vorwurf verbunden …
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