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Taktisches Berühren … (– mit Körpersprache wirkungsvoll kommunizieren – Folge 3)

11/01/2016

… macht vielen Menschen in unseren Breiten- und Längengraden außerhalb von intimen Beziehungen schon gedanklich viel Mühe, geschweige denn in seiner Ausführung. Wir sollten deswegen zu Anfang zwei Formen der taktischen Berührung voneinander unterscheiden und die Manöverfelder deutlich eingrenzen.

Es gibt zum einen die Form der intensiven, nachdrücklichen Berührung mit gleichzeitigem Blickkontakt, die vom Empfänger bewusst wahrgenommen wird, einen hohen Verbindlichkeits- oder Aufforderungscharakter besitzt, aber auch bei einem (noch) fehlenden Vertrauensverhältnis zu Unbehagen und Widerständen führen kann. Sie sollte unseren PartnerInnen/ Kindern und (engen) Freunden vorbehalten sein. Schon unter Bekannten, auf jeden Fall bei Kunden oder Mitarbeitern, ist sie nur in speziellen Situationen* die empfohlene Variante.

Die zweite Form ist die der beiläufigen, leichten, unauffälligen taktischen Berührung ohne begleitenden Blickkontakt, die zu einer unbewussten, zielgerichteten Wirkung führt. Diese kann praktisch bei jedem angewendet werden, mit dem wir in einer direkten, persönlichen Kommunikation stehen. Um die geht es hier. Immer wenn wir eine Beziehung aufbauen oder verstärken wollen, oder eine Aussage im 4-Augengespräch hervorheben und / oder einen Inhalt mit der bereits positiven Beziehung verbinden möchten.

Dies bedeutet für diejenigen von uns, die diese Grenze z.B. bei Geschäftspartnern oder Bekannten überwinden wollen, eine zusätzliche, wirkungsmächtige Möglichkeit der positiven Beeinflussung zu haben. Denn experimentelle Untersuchungen** dazu haben deutlich gezeigt, wie positiv (übrigens je unüblicher in einer Kultur die gegenseitige Berührung ist, desto höher) die Wirkung des beiläufigen, taktischen Berührens ist.

Wie, wo und in welchen Situationen können wir taktisches Berühren einsetzen?

Beginnen wir mit dem „Wie?“.

Leicht, beiläufig mit 2 bis 3 Fingerendgliedern, keinen Druck ausüben, max. für eine Sekunde (etwa solange, wie wir in Normalgeschwindigkeit brauchen um „Einundzwanzig“ zu sagen). Wiederholung erst in einer späteren, neuen Situation. Kein Halten, „Hand auflegen“ oder gar ein Streicheln, mehr ein leicht gehaltenes Tippen.

„Wo?“.

Auch wenn wir als Mann eine Frau (oder umgekehrt) als Gegenüber haben, gibt es unverfängliche und unaufdringliche Körperzonen. Das sind der Handrücken, der hintere und seitliche Schulterbereich, sowie die Außenseite des Ellbogens.

Generelle Beispielsituationen:

  • Die Aufmerksamkeit unseres Gegenübers ist anderswo und wir möchten sie (ohne Blickkontakt) auf uns und unsere Aussage / Frage / Prospekt o.ä. lenken.
  • Wir fordern (ohne Blickkontakt) zu einer Handlung auf, oder bitten den/die andere kurz zu warten.

* Spezielle Beispielsituation:

Intensiviert kann die Berührung bei der Begrüßung eingesetzt werden, wenn wir einander die Hände reichen und dabei Blickkontakt haben. Die freie Hand kann dabei kurz und leicht den Ellbogen des anderen umfassen. Auch das wird häufig nicht bewusst wahrgenommen, verstärkt und beschleunigt aber den persönlichen Beziehungsaufbau.

Deutlich intensiver sind Berührungen auf dem Handrücken, am Ellbogen oder Oberarm mit Blickkontakt. Diese sollten wir nur dann einsetzen, wenn bereits eine positive Beziehung mit einem gewissen Grundvertrauen aufgebaut worden ist.

Auch der Händedruck nach einer Vereinbarung, oder einem Vertragsabschluss ist eine solche körpersprachliche Verstärkung und Bestätigung zur Steigerung der Verbindlichkeit. Nach einem gelungenen Beziehungsaufbau und einem vertrauensvollen Kontakt, je nach Situation begleitet von einem „Hand drauf“ oder „ich beglückwünsche Sie zu …“. Noch ein paar Sätze zur Intensität des Händedrucks. Sowohl von den Extremen der schlaffen, nur hingehaltenen Hand bis hin zum Schraubstock Marke „bonebreaker“ wird dringend abgeraten. Bei RingträgerInnen gilt es speziell vorsichtig zu sein, weil sich die Finger in der Nachbarschaft dieses Schmucks leicht schmerzhafte Quetschungen zuziehen können. Ich empfehle, die Stärke des Drucks unseres Partners aufzunehmen und selbst nur leicht mehr zu geben. So fühlt sich der Händedruck für den anderen stets fest, dynamisch und entschlossen an, ohne dass sie oder er Schaden davonträgt und wir eine negative Wirkung hinterlassen.

Alle anderen Körperregionen sind absolutes Tabu für Fremde, flüchtigen Bekannte oder nicht ganz enge und vertraute Kollegen oder Mitarbeiter. Bitte verstehen Sie dies auch als persönliches Statement gegen heute in manchen Kreisen praktizierte inflationäre Umarmungen, Schulterklopfen oder gar KüsschenKüsschen.

Wirkung geht vor Absicht und es gibt völlig zurecht Grenzen, die wir nicht überschreiten sollten.

Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen dazu haben, nutzen Sie gerne die Kommentarfunktion oder eine meiner E-Mailadressen:
siegbert.scheuermann@gmx.de
info@protargis.de

 

* * Zu diesem Schluss kamen z.B. April Crusco und Christopher Wetzel bereits im Jahr 1984. In einer Studie sollten Kellnerinnen ihren Gästen unterschiedlich gegenübertreten. Die einen berührten sie leicht an der Schulter, die anderen an der Hand, wieder andere fassten sie gar nicht an. Im letzteren Fall gaben die Gäste im Schnitt 12 Prozent Trinkgeld. Wurden Sie an der Schulter berührt, gaben sie 14 Prozent, bei einer Berührung an der Hand sogar 17 Prozent. Studie: The Midas Touch, The Effects of Interpersonal Touch on Restaurant Tipping, April H. Crusco, University of Mississippi, Christopher G. Wetzel, Rhodes College

Weitere Quellen und ergänzende Lektüre:
http://www.alltagsforschung.de/die-psychologie-von-beruhrungen/

14 einfache und funktionierende Tricks für mehr Trinkgeld

Das könnte Sie auch interessieren:
Folge 1: https://sglscheuermann.com/2015/11/20/mit-koerpersprache-wirkungsvoll-kommunizieren-folge-1/
Folge 2: https://sglscheuermann.com/2015/12/08/der-blickkontakt-mit-koerpersprache-wirkungsvoll-kommunizieren-folge-2/

One Comment
  1. Körpersprache haben wir ganz vergessen.
    Sie ist soz. das `Herzblut´ aller Kommunikation, schon seit ewigen Zeiten. Körpertherapeuten wissen ein Lied davon zu singen. Da gibt es Übungen, die man mal machen sollte, um sein eigenes Körpergefühl zu entdecken!!!
    Das ist schon ein `Trick´, der es in sich hat!!!
    Ich habe zur Zeit ein ganz anderes Problem, weil ich mich als Blogger in die Politik eingemischt habe. Wegen der Flüchtlingskrise, ich konnte die Bilder nicht mehr ertragen.
    Heute hab ich einen Aufruf gestartet, um bei der Begrenzung der Flüchtlinge so gut es geht zu helfen. Davor hab ich schon ein paar andere Artikel gepostet, um Angela Merkel zu helfen.
    Ich setz mal den link zu meinem Aufruf. Kann ja nicht schaden, muss jeder selbst entscheiden, wie er damit umgeht.
    https://4alle.wordpress.com/2016/01/17/blogger-fuer-merkelhelferasylanten/
    Gruß
    PJP

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