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Wir sollten nicht alles glauben, was wir denken.

27/05/2014

WhatsYourStoryUnser Gehirn registriert Veränderungen. Gleichbleibende Zustände werden bereits nach kurzer Zeit ausgeblendet. Selbst wenn die Veränderung eine neue Stille ist, lässt sie uns erst einmal eine Zeit lang nicht schlafen. Wir wohnten z.B. vor vielen Jahren direkt an einer Straßenbahnwende, eingerahmt von einem Kreisverkehr und zwei nahen, sowie zwei etwas weiter entfernten, viel befahrenen Straßen. Zu Anfang empfanden wir den Lärm infernalisch, vor allem, da wir auch noch im Winter eingezogen waren und die gefrorenen Schienen beim Befahren furchtbar quietschten und kreischten. Bereits nach ein paar Wochen haben wir davon kaum noch etwas mitbekommen und als der Frost aufhörte, war es ziemlich okay. Dann zogen wir wieder um. In eine Nebenstraße, hinter einem Altenheim. In den ersten Nächten haben wir kein Auge zugemacht, weil die Stille uns so laut vorkam. Was bedeutet das im menschlichen Miteinander?
Wenn uns jemand dauerhaft höflich und respektvoll behandelt, fällt uns das in der Regel erst auf, wenn er dies ausnahmsweise mal nicht tut. Wenn ein Vorgesetzter, Mitarbeiter oder Ehegatte gewöhnlich sehr friedfertig und duldsam ist, fällt uns ganz besonders auf, wenn er sich mal gereizt anhört, widerspricht und nicht gleich einlenkt. Was unser Bewusstsein registriert, ist lediglich ein Ausschnitt der Welt, unsere eigene Wirklichkeit. Und dieser Ausschnitt muss keinesfalls wahr sein. Wir gehen sogar soweit, uns mit unseren Gedanken zu identifizieren und damit feste Zuschreibungen auf Personen oder Sachen zu projizieren. Dabei sind wir nicht unsere Gedanken, sondern haben sie nur. Oft basierend auf ausschnittweisen, fehlerhaften oder subjektiven Wahrnehmungen.
Was können wir tun, wenn wir uns im täglichen Miteinander über unsere beruflichen oder privaten Partner nicht ärgern wollen?

Stellen wir uns ein paar Fragen zu unserer Wahrnehmung oder Zuschreibung und drehen dann die Fragestellung um.
Beispiel Wahrnehmung oder Zuschreibung:
Mein Chef (Mitarbeiter, Ehegatte, häuslicher Pubertant) ist respektlos und unfreundlich.

1. Ist es 100% das, was ich empfinde? Ist es für mich wahr?
Hier treffen wir häufig auf ein eindeutiges „ja klar, sonst würde ich mich ja nicht ärgern“. Wäre ja auch zu einfach, den Ärger mit nur einer Frage abzustellen. Passiert aber trotzdem. Manchmal.

2. Ist das immer, stets, dauernd und ohne Ausnahme so?
Schon hier wird, sofern wir ehrlich zu uns selbst sein können, vieles an Genervtheit und Groll verfliegen. Immer, stets, dauernd und ohne Ausnahme stimmt selten.

3. Wie könnte das der andere sehen? Wie würde ich selbst ein solches Verhalten meinerseits zu entschuldigen versuchen?
Oft sind wir mit uns selbst viel nachsichtiger, als mit unserem Nächsten. Lassen wir uns ruhig mal eine (vielleicht verunglückte) positive Absicht oder einfache Gedankenlosigkeit statt Vorsatz hinter dem Verhalten vermuten.

4. Was macht es mit mir / uns, wenn ich diese Zuschreibung zur absoluten Wahrheit erkläre?
Wir ärgern uns. Wen ärgern wir? UNS! Wollen wir das? Wirklich?

5. Wenn ich dies nicht glauben / für wahr halten würde, was würde das mit mir / uns machen?
Wir wären in aller Regel, entspannter, gelassener und viel besser gelaunt.

Umkehrung der Wahrnehmung oder Zuschreibung:

6. In welchen Situationen war der andere respektvoll und freundlich?
Da wir nur Veränderungen so stark wahrnehmen, können wir jetzt den Fokus auf vorheriges positives Verhalten legen.

7. Wann waren wir selbst gegenüber unserem Partner in der letzten Zeit respektlos und unfreundlich?
Möglicherweise ist ja die Aktion unseres Gegenübers nur eine Reaktion? Wir hatten, falls dies zutrifft, aber bestimmt auch gute Gründe für unser Verhalten 🙂 .

8. Wie respektvoll und freundlich ist es mir selbst gegenüber, mich darüber zu ärgern?
Wenn andere uns das antäten, was wir uns manchmal selbst antun, die bekämen Ärger!

Beispiel 2: Immer hab‘ ich Pech. Das Leben ist nicht mein Freund.
1. 100%? 2. Immer? 3. Wie sehen das andere? 4. Was macht das mit mir? 5. Wie würde ich mich ohne diese Aussage fühlen? 6. In welchen Situationen hatte ich schon Glück? 7. Welchen Einfluss hat ggf. mein Verhalten auf mein „Pech“? 8. Welche Auswirkungen hat es evtl. auf mein Umfeld, mit einem selbsternannten „Pechvogel“ zu leben?

Selbstverständlich brauchen wir uns nicht immer alle Fragen zu stellen, sondern nur so viele, bis wir erkannt und akzeptiert haben, dass sich das Ärgernis aufgelöst, verflüchtig hat, oder weniger ärgerlich geworden ist. Wir sollten möglichst nur das glauben, was uns nach vorne bringt und gut tut.

Wir können uns den ganzen Tag ärgern, aber wir sind nicht verpflichtet dazu ;-).

Inspiration: Zitat „Glaub nicht alles, was du denkst.“ Byron Katie
http://scienceblogs.de/naklar/2012/11/29/meine-heizung-und-das-bewusstsein/
http://www.disziplinlos.com/freestyle-2-glaube-nicht-alles-was-du-denkst/

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