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Zwischen Flow und Impotenz – Motivation Folge4

14/06/2013

Figuren-Serie: Los komm schon...

Wollen wir, was wir sollen oder lassen wir es sein? Flow, aus dem Engl. „fließen, rinnen, strömen“, ist heute auch die Bezeichnung für einen Zustand, bei dem ein Mensch vollkommen in einer Tätigkeit aufgeht, so dass er Zeit und Raum „vergisst“. Flow tritt auf in einem schmalen Band der An- und Herausforderung (Anreiz und Konzentrationsbedarf) zwischen den Bereichen der Unterforderung (Langeweile) und Überforderung (Angst).

Beide, sowohl die Überforderung als auch die Unterforderung, können Impotenz auslösen. Impotenz kommt vom lat. potens, mächtig, vermögend, mit verneinender Vorsilbe, es geht also dabei um Unvermögen und Machtlosigkeit auf Grund von Über- oder Unterforderung (manchmal auch durch körperliche Gebrechen). Wir kennen das nicht nur aus dem privaten, sondern ebenfalls aus dem beruflichen Umfeld.

Kinder und Jugendliche tauchen häufig während des Spielens in den Flow ein, vergessen alles um sich herum und selbst größere Anstrengungen und Konzentrationsanforderungen werden ein „Klacks“ und alles „fließt“ mit leichter Hand. Ganz im Gegensatz zu eventuell vorhandenen schulischen Beschwerlichkeiten sind Kinder hier oft zu herausragenden Leistungen fähig. Bei vielen Erwachsenen werden diese Phasen weniger zahlreich, weil wir uns z.B. einreden, keine Zeit für unsere Leidenschaften und Hobbys zu haben oder weil die Arbeitswelt eben nicht nur heraus-, aber nicht überfordernde Aufgaben für uns bereit hält. Auch der Sex mit dem Partner wird (selbstverständlich nur für einige ganz wenige von uns) von einem intrinsisch motivierten „perpetuum mobile“ zu einer extrinsisch motivierten, anstrengenden Sache, die nur noch zeitweise auf sich genommen wird, weil es einfach dazu gehört oder der Partner sonst droht unzufrieden zu werden. Kommen wir hierbei in den Bereich der Überforderung (Angst, z.B. wegen Fortpflanzungszwanges) oder Unterforderung (Langeweile, z.B. wegen zu häufigem Genuss unserer Lieblingsspeise) schlafft alles ab und schläft im wahrsten Sinne des Wortes einfach ein.

Wir kennen das auch von einigen Stellenbesetzungen (natürlich aus anderen Unternehmen im Ausland), dass die angstauslösende, qualitative oder quantitative Überforderung zum veritablen Leistungshemmer und Krankmacher wird, haben aber eben das Gegenteil auch schon erlebt, dass eine dauerhafte Unterforderung und damit Hand in Hand gehende, rasch fortschreitende Verödung und Verblödung des Stelleninhabers ebenfalls die Ziele und die Gesundheit gefährden können. Bore out ist fast so häufig wie burn out.

Zu allen Tätigkeiten, bei denen wir Flow erleben, sind wir aus unserem Inneren heraus automotiviert, wir haben eine „intrinsische“ Motivation, die Aktivität wird als mühelos erlebt, genussvoll, wir fühlen uns wohl, die Tätigkeit kann zum reinen Selbstzweck werden, aber verbunden mit einer sinnvollen Zielsetzung auch unanstrengend aber rasend erfolgreich sein.

Neben einer beruflichen Aufgabe, die unseren Interessen entspricht, in Quantität und Qualität leicht über unseren bisher gezeigten Fähigkeiten und Möglichkeiten liegt, können dies alle mögliche Aktivitäten sein: Modell bauen, Bogenschießen, Laufen, Spielen, Kuscheln, Sexeln, Malen oder vieles andere mehr.

Verfolgen wir mit unseren Aktivitäten ein Ziel und die Aktivität selbst ist „nur“ der Weg, sind wir „extrinsisch“ motiviert, von äußerem Auslöser angeregt, angezogen – z.B. zu gewinnen/nicht zu verlieren, einen Erlös zu produzieren/nicht Pleite zu gehen, als Erbe eingesetzt zu werden/selber nicht arbeiten zu müssen, abzunehmen, besser auszusehen / nicht ausgelacht zu werden, gesund zu bleiben /negative körperliche Konsequenzen zu vermeiden (wir sehen auch hier: hin zu/weg von – Lust/Angst vor Verlust). Die Handlung ist in beiden Fällen Mittel zum Zweck.

Je weniger eine Handlung mit der eigenen Identität und unserem Selbstbild verbunden ist, desto ungerner, widerstrebender und antriebsschwächer führen wir sie aus. Angst oder der Druck von Normen oder der Erwartungen anderer sind dann zwar Triebkräfte, die uns allerdings auf Dauer selber schaden. Oft ist hier eine große Hilfe, loszulassen, ge-lassener zu werden und uns zu ent-spannen. Allerdings bedeutet das, die Druck und Angst auslösende Tätigkeit dann komplett zu meiden – nicht zu spielen, nicht zu kuscheln, nicht zu joggen oder sich einen anderen Job zu suchen. Wer sich entscheidet, für eine begrenzte Zeit gegen die eigene Persönlichkeit zu agieren, oder zumindest nicht in Einklang mit ihr, braucht eine ausgeprägte Willenskraft und Disziplin. Dauerhaft stellt sich die Frage: „Gibt es ein Leben vor dem Tod?“

Oft haben wir allerdings die Situation, das sich intrinsische und extrinsische Motivationsanteile mischen – ich genieße es beispielsweise morgens durch den Wald zu laufen, tue es aber auch um abzunehmen. Wenn dann Motivationsprobleme auftreten oder die Angst und der Druck deutlich spürbar werden, tun wir uns selbstredend besser damit, uns auf die intrinsischen Anteile zu konzentrieren, statt auf die extrinsischen. Es gilt dann, das Positive im negativ Empfundenen zu finden.

Dabei gibt es noch einen Kniff, der helfen kann, das Positive jetzt zu fühlen, auch wenn wir zielmotiviert sind: wir sollten versuchen uns in den emotionalen Zustand zu denken, als wäre das Ziel bereits erreicht. Es geht dann nicht mehr um das Erlebnis etwas zu schaffen oder zu überwinden, sondern um das Gefühl etwas geschafft, resp. überwunden zu haben. Das ist dann zwar vorerst immer noch eine extrinsische Motivation, aber es wird sozusagen der Moment der intrinsischen Motivation vorverlegt, wir kosten jetzt schon mal von dem Gefühl, unser Ziel erreicht zu haben. Es ist oft nicht einfach, sich diese Situation plastisch vorzustellen und zu fühlen, es sei denn, wir hätten etwas Ähnliches schon erlebt.

Dieser Artikel ist ein Bindeglied zwischen der Artikelfolge über die Motivation bei uns und anderen einerseits und der Themenreihe über das Erlernen von positiven Gewohnheiten und das Ersetzen von als negativ empfundenen Angewohnheiten andererseits. Ergänzend könnten Sie noch die Artikel über meinen Selbstversuch zur Veränderung sowie die Einzelartikel zu den Themen Veränderung, Impulskontrolldefizit und Lernpsychologie interessieren. Viel Spaß beim Verändern!

Artikelfolge Motivation:

Motivation – Folge1 – bestechen, bedrohen, bestrafen, belobigen

Motivation – Folge2 – Was und wozu taugen Motivationstheorien?

Motivation – Folge3 – Wie wir uns selbst oder unseren Partnern auf die Schliche kommen …

Themenreihe Gewohnheiten:

Nur der falsche Trott macht Trottel – Gewohnheiten für ein besseres Leben

Mächtige Elefanten, machtlos in mickrigen Ketten

Auslöser + Verhalten + Benefit = Gewohnheit – Folge 1

… und täglich grüßt das Gewohnheitstier Auslöser + Verhalten + Benefit = Gewohnheit  – Folge 2

Artikel Selbstversuch zur Veränderung:

Selbstversuch: Zuwachs Fitness, Minuswachstum Schwimmring

Selbstversuch2: Mission Hüftgoldschmelze und Fitnesszuwachs

Mission Hüftgoldschmelze: Die Fettfalle

I’m walking – Stöckelschuhsyndrom und orthopädische Einlagen

1000km/5Monate/10kg: das Ende des Projekts Hüftgoldschmelze

Fett und unfit ist okay, aber Achtung …

Ergänzende Einzelartikel:

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach

Impulskontrolldefizit und der unausweichliche Misserfolg

Lernpsychologie – konsequent bestrafen, nur ab und zu belohnen

 

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