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Rhetorik: Selbstmanipulation durch Sprachgewohnheiten

05/12/2011

„Ich würde eigentlich kurz sagen wollen, das hat den Umständen entsprechend irgendwie gar nicht ganz schlecht funktioniert.“ Tolle Würdigung eines guten, selbst erzielten Resultats 😉 .

„Ob ich letztendlich der Held meines eigenen Lebens sein werde oder ob jemand anderes diese Stelle einnehmen wird, das müssen diese Seiten erweisen.“ So beginnt der Ich-Erzähler im Roman „David Copperfield“ von Charles Dickens. Jeder von uns ist der Ich-Erzähler seiner Lebensgeschichte.

Das unsere Sprache und Sprachmuster
– Wirkung bei anderen erzeugen und diese beeinflussen
– anderen Auskunft über unsere Deutung der Welt geben
– unsere Rolle in der realen und sozialen Welt definieren, unser Selbstbild vermitteln und unser Selbstwertgefühl ausdrücken
ist weithin bekannt.

Weniger beachtet wird nach meiner Erfahrung, dass wir uns selbst durch den häufigen Gebrauch bestimmter Worte und Sprachmuster auf eine Rolle in unserem Leben programmieren. Sind wir z.B. aktiv oder passiv, Täter oder Opfer, entwicklungs- oder erhaltungsorientiert, eigenverantwortlich oder „Schuldige“  suchend, selbst- oder fremdbestimmt. Wir kreieren unsere eigene Wirklichkeit und die Geschichte unseres Lebens mit mehr oder weniger starkem Bezug zur Realität.
Alle verfestigten Redestrukturen prägen unsere Persönlichkeit.

Wir können einen aktiven, eigenbestimmten und entwicklungsorientierten Wortschatz nutzen …
oder einen passiven Redestil, welcher die eigenen Einflussmöglichkeiten herunterspielt und uns fremdbestimmt, gezwungen und chancenlos wie ein Blatt im Wind der Welt ausliefert. In beiden Fällen interpretieren und installieren wir eine Welt- und Selbstsicht. Letztere oft garniert mit Minimierungen und begleitet von Konjunktiven, Relativierungen, dauernden EntschuldigungenRechtfertigungen oder unangebrachtem, gefallsüchtigem Gekicher.

Verehrte LeserInnen, vielen Dank für Ihr Interesse an diesem Artikel, der Inhalt ist mittlerweile eingeflossen in das Brevier

18.05.15_6x9_3„Trottelfalle Rhetorik: Reden Sie ruhig. Solange bis Sie wissen, was Sie sagen wollen“, das Sie hier als E-Book zum Bestpreis erwerben können.

Kurzbeschreibung

„Reden Sie ruhig. Solange bis Sie wissen, was Sie sagen wollen.“ Reden kann doch jeder, werden Sie vielleicht denken. Eigentlich. Es gibt allerdings auch Zeitgenossen, die recht sinnfrei vor sich hin plappern nach dem Motto: „Woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich gehört habe, was ich sage?“. Gelaber halt. Rhetorik ist die „Kunst der Beredsamkeit“, die eben nicht zweckfrei und ziellos ist, sondern uns helfen soll, unsere Ziele zu erreichen, gewünschte Wirkungen zu erzeugen und Menschen zu überzeugen. Das ist das eine.

Das andere sind die s.g. Sprachgewohnheiten, ein Trott, der für viele von uns im Alltag, wie auch im Beruf zur echten Falle werden kann. Der „Trott“ kommt von einer langsamen, schwerfälligen Gangart bei Pferden, dem Trab. Auf das Verhalten von Menschen bezogen ist damit häufig abwertend eine Abfolge des immer Gleichen gemeint, und es wird unterstellt, dass eine Veränderung, wenn überhaupt, ebenfalls nur „schwerfällig“ möglich ist. Der Alltagstrott z.B. beschreibt den immer gleichen Tagesablauf, der eine Reihe von Verhaltensmustern produziert, die uns bald so vertraut sind wie unsere Wohnung und die Gewöhnung führt zu Gewohnheiten. Und der, der da „gewöhnlich“ trottet ist der Trottler oder eben Trottel.

Wir können z.B. uns selbst schaden, indem wir uns durch unsere Wortwahl negativ beeinflussen. Prominente Beispiele dafür sind die oft genutzten Redewendungen „ich kann nicht“ und „ich muss“. Unser Unterbewusstsein prüft leider nicht den Wahrheitsgehalt von solchen Selbstsuggestionen und wir reden uns mit diesen Phrasen nicht selten ein, über begrenzte Möglichkeiten und Fähigkeiten zu verfügen und überwiegend fremdgesteuert zu sein. Um unsere Ziele leichter zu erreichen, sollten wir aufhören, uns mit negativen Selbstmanipulationen zu belasten. Wir sollten, wo eben möglich, positiv und konstruktiv formulieren, ohne Schönfärberei zu betreiben. Bei gründlichem Nachdenken über Ursachen und Konsequenzen heißt ein „ich kann nicht“ sehr häufig „ich will nicht, weil …“ und ein „ich muss“ fast immer „ich will, weil …“, weil wir meistens gute Gründe und nachvollziehbare Prioritäten haben, warum wir etwas tun oder eben nicht. Weitere solcher Beispiele erfahren Sie in diesem Brevier und die Alternativen dazu, die uns stärker, selbstsicherer, selbstbestimmter und verantwortungsvoller fühlen lassen.

Aber nicht nur uns selbst beeinflussen wir nur allzu oft negativ, auch unsere Partner, Kinder, Mitarbeiter, Kollegen und Kunden. Fast jedes „das siehst Du falsch“, oder „das müssen Sie so sehen“ bringt den anderen rasant auf eine Palme, von der wir ihn oder sie nur schwer wieder herunter holen können. Es gibt Menschen, die eine große Kunstfertigkeit darin entwickelt haben, andere unnötig gegen sich aufzubringen und einen nicht geringen Teil ihrer Zeit damit verbringen, selbst aufgewühlte Wogen wieder zu glätten. Oder ihre Partner „kleinzureden“. Viele „hast Du das verstanden“, „konnten Sie mir folgen“ werden als ein schlichtes „wie blöd bist du eigentlich“ oder „was bin ich doch für ein(e) SchlaumeierIn“ interpretiert.

Oder es geht nicht darum, sich und andere oder Umstände mies und klein zu reden, sondern in bester Manier „schönzureden“ und verbale Nebelbomben zu werfen, so dass unsere Partner am Ende gar nicht mehr wissen, was gemeint war und wie sie mit uns dran sind. Diese Schönfärberei kann ihre Ursache in übertriebener Rücksichtnahme, oder in der Furcht begründet sein, die Konsequenzen der eigenen Aussagen auf sich zu nehmen und seien diese auch nur, seine Meinung oder seinen Standpunkt vertreten zu müssen.

Dieses Brevier wird Sie mit einigen verbalen „Trottelfallen“ bekannt machen und Sie dabei unterstützen, sich Ihr Leben und den Weg zur Erreichung Ihrer Ziele nicht unnötig lang und beschwerlich zu machen. Denn: „Nur der falsche Trott macht Trottel“. Es geht dabei schwerpunktmäßig um den Gebrauch der Sprache und die erzeugte Wirkung. Dieses Brevier beschäftigt sich ausdrücklich NICHT mit Präsentationen vor Gruppen.

From → Führung, Verkauf

9 Kommentare
  1. Jennifer Pieters permalink

    Finde es einen interessanten Artikel.
    Insofern,dass man ein Bewusstsein dafür entwickelt, wie man sich tatsächlich ausdrückt,
    weil es einem doch nicht immer bewusst ist.
    Allerdings halte ich perönlich dieses Thema für ein sehr komplexes Thema.
    Ich habe ein paar weitere Zeilen darüber vermisst, wie die Auswirkungen solcher
    Wörter sind und sich in einem Gespärch widerspiegeln(auch in welche Position man sich damit selbst manövriert sprich: „mir geht es EIGENTLICH gut (uneigentlich vielleicht aber auch nicht oder „ich würde es nett finden“ anstelle von „Ich möchte/will“) ), genau so fehlt mirr persönlich etwas darüber, wie man
    seine Ausdrucksweise bewusst ändern kann um dem,was man sagen will, wikrlichen Ausdruck zu verleihen.

  2. Hallo Jennifer,
    Du hast vollkommen recht, das Thema Rhetorik ist sehr komplex. Gerade deshalb habe ich versucht, das Thema auf die Wirkung unserer Worte auf uns selbst zu beschränken. Auch weil dieser Aspekt häufig gar nicht oder wenig beleuchtet wird. Wenn wir uns der Wirkung unserer Worte auf andere zuwenden, ist es sehr sinnvoll an und mit konkreten Beispielen zu arbeiten und das in der Situation verfolgte Ziel zu kennen – so machen wir es z.B. in unseren Seminaren.
    Es ist ein erheblicher Unterschied in der Wirkung auf den Partner, ob wir, um in Deinem Beispiel zu bleiben –
    ich würde es nett finden, wenn … oder
    ich würde mich freuen, wenn … oder
    ich möchte gerne, dass … oder
    ich wünsche mir, dass … oder
    ich bitte Dich, dass Du … oder
    ich erwarte, dass … oder gar
    ich fordere, das … oder
    ich halte es für zwingend erforderlich, dass …
    formulieren. Dann kommen wirkungsrelevant noch Distanz, Lautstärke, Stimmlage, Tonfall, Körpersprache und die Art des Blickkontakts dazu.
    Interessant ist – alle Formulierungen können situations- und zielangemessen sein.
    Wenn Du bestimmte Situationen im Auge hast, schreibe ruhig noch mal.
    Ich werde sicher auch noch zu diesem Aspekt der Wirkung unserer Worte auf andere einige Artikel verfassen.
    Zum zweiten Punkt: In dem Artikel https://sglscheuermann.com/2011/09/19/der-geist-ist-willig/
    gibt es Hinweise, wie wir unsere Sprachgewohnheiten verändern können.
    Zum Thema Rhetorik allgemein und wie wir sie verbessern können, empfehle ich zusätzlich den Artikel:https://sglscheuermann.com/2011/10/19/gelaber/

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