Trottelfalle: Intelligenz und subjektive Logik
Dies ist eine nicht jedem zur Verfügung stehende Möglichkeit, zum Trottel zu werden. Logik ist ja eigentlich die Lehre von der Folgerichtigkeit des Denkens, nur kann eine Schlussfolgerung gleichzeitig folgerichtig und trotzdem idiotisch sein. Beispiel:
Die Geschichte eines Mannes, der zum Arzt kommt und sagt: “Herr Doktor, ich glaube ich bin tot.” Der Arzt ist von dieser Selbsteinschätzung des Patienten naturgemäß überrascht und überlegt, wie er diese wohl widerlegen kann. Er fragt: “Sie sind also tot – bluten Tote nach Ihrem Kenntnisstand?” Der Mann antwortet: “Nein, Tote bluten nicht.” Daraufhin nimmt der Arzt eine Nadel, sticht in den Finger des Patienten und Blut schießt hervor. “Und, was sagen Sie jetzt?”, fragt er triumphierend. Der Mann antwortet: “Sie haben recht, Herr Doktor, Tote bluten doch.”
Gesteigert und oft deutlich weniger humorvoll tritt dieses Phänomen bei Schizophrenen auf. Ein häufiges Merkmal ist eine Wahnsymptomatik, die auf argumentativ nicht angreifbaren und nicht widerlegbaren Überzeugungen beruht, die andere in keiner Weise nachvollziehen können und sogar Naturgesetzen widersprechen können. In einem selbst erlebten Fall fragte z.B. ein Betroffener meine Frau, warum Sie es draußen habe frieren lassen? Er könne sich nur vorstellen, sie wolle verhindern, dass er mit dem Auto wegfahre um sich der Überwachung seines Vaters zu entziehen. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass der Bursche zu Hause einen Fernseher hatte, der ihm von seinem Vater geschenkt worden war und mit einer technisch hochwertigen Überwachungstechnik versehen sein musste, die Bilder aus seinem Wohnzimmer an seinen Vater zurückübertrug. Neben Vätern gibt es noch die Regierung, Außerirdische, bereits verstorbene Vorfahren oder “Stimmen” unbekannter Herkunft im Kopf, die Anweisungen geben, kontrollieren und schaden wollen. Leichtere Fälle laufen draußen zuhauf rum, die sich Lebensgeschichten zurecht gebastelt haben, die Verschwörungstheorien nicht unähnlich sind.
Oder diese taubenhaften Aberglaubenmechanismen! Ich weiß nicht ob Sie’s wussten, aber Tauben, die Hunger haben und dann gefüttert werden, sollen anschließend genau das Verhalten wieder reproduzieren, das sie hatten, als es Futter gab, also z.B. einen Kreis laufen. Da sie das taten, als es ersehntes Futter gab, konstruiert das Taubenhirn einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Verhalten (Kreis laufen) und Resultat (Fütterung). Dieses taubenhafte Verhalten erleben wir auch häufig auf Fußballplätzen, wenn wochenlang der selbe blaue Pullover getragen wird, der beim ersten unverhofften Sieg nach längerer Durststrecke getragen wurde. Oder es wird sich nicht rasiert, auf Holz geklopft, “toi, toi, toi” gewünscht oder immer zuerst der linke Fußballstiefel angezogen. Aber auch sonst wird mit einem bestimmten Fuß beginnend aufgestanden, Schornsteinfeger werden verfolgt und begrapscht, Glücksklee gesucht oder es werden sonstige Rituale gepflegt, die (zufällig?!?) vor dem letzten Erfolgserlebnis “funktioniert” haben.
Solange uns diese diversen, speziellen Logiken und Rituale Hoffnung, Zuversicht, Energie und gute Laune bescheren, spricht auch aus meiner Sicht nichts gegen eine kleine “Spinnerei”, die wahrscheinlich die Erfolgsaussichten der anstehenden “Unternehmung” sogar positiv beeinflusst.
Gefährlich wird dieses Verhalten allerdings, wenn wir dieses krause Denken zur Rechtfertigung des Misserfolges nutzen, es zu einer mangelhaften Vorbereitung führt oder dazu, dass wir gar nicht erst mit einer Aktivität beginnen, weil wir dann auch nicht scheitern können.
So zum Schluss noch dies:
Kommt ein Mann zum Arzt und sagt: “Herr Doktor, ich glaub ich bin eine Motte.” Der Arzt antwortet: “Da sind Sie bei mir falsch – da müssen Sie zu einem Psychiater.” “Ich weiß”, entgegnete der Mann, “aber hier war Licht.”
