Wie können wir einen Menschen komplett verschwinden lassen? Oder in einen Hulk verwandeln?
Indem wir nur so tun, als hätten wir ein offenes Ohr für sie oder ihn. Eine Siebenjährige formulierte mal: “Wenn man mir nicht zuhört, dann ist das so, als ob ich nicht da bin”. Erwachsene formulieren das oft nicht … obwohl es genau so weh tut. NICHT ZUHÖREN ist der intensivste Ausdruck von Desinteresse, Geringschätzung und Missachtung. Manchmal klappt das aber mit dem “Abrakadabra Verschwindibus” auch nicht, weil aus einem gering geschätzten Bruce Banner plötzlich und unvermittelt ein Hulk wird.
In nicht wenigen Seminaren können wir lernen, so zu tun und so auszusehen, als ob wir zuhören würden. Viele nutzen diesePhase allerdings nicht, um aufmerksam das Gesagte zu verarbeiten und sich in ihrem nächsten Satz darauf zu beziehen, sondern sie nutzen die “Pause”, um zu überlegen, was sie selbst anschließend sagen wollen, oder fahnden nach Stichworten, um eigene Pointen zu setzen, oder eigenes Wissen an den Mann oder die Frau zu bringen. Manche legen sich den Ball auch noch gleich selbst vor. Wo waren Sie dieses Jahr in Urlaub? In Kappadokien… (unterbricht) … ach, ja, da waren wir auch schon verschiedentlich, wir waren dieses Jahr ja in Saaantropeee, Sie können sich nicht vorstellen … (was auch immer). Das reicht nicht, um tragfähige Beziehungen aufzubauen und zu erhalten.
Wir erfahren und/oder verstehen nichts Neues, oder mindestens weniger, können so weder unseren Horizont erweitern noch die Bedürfnisse des anderen, gleich ob Partner, Kind, Mitarbeiter oder Kunde, erkennen. Wenn wir uns nicht interessieren, nicht ernst nehmen, nicht wertschätzen glaubt uns das Gegenüber auch kein Wort des Gelabers über Vertrauen, Achtung, Respekt, Liebe, Mensch im Mittelpunkt oder ähnlich gequirlte Endausscheidungsprodukte. Und sie wenden sich ab, oder lassen sich mindestens ein möglichst hohes Schmerzensgeld zahlen. Die gesamte, vorher eingesetzte Zeit ist vergeudet. Wirkliches Interesse setzt zumindest die Vermutung voraus, dass der Partner etwas Wesentliches zu unserem Leben beitragen kann. Sobald uns diese positive Vermutung abhanden kommt, weil wir z.B. in dem Wahn leben, unsereiner hätten so viel Wissen und Erfahrung, dass wir selbst Gott in allen Lebenslagen beraten könnten, taugen wir nicht mehr als Partner, Eltern, Führungskraft, Berater oder Verkäufer. Höchstens noch als Despot, fanatischer Religionsstifter oder autoritärer, visions- und willensstarker, allein herrschender Firmenboss oder -bosseurin, als Besserwisserkapitän auf einem Schiff trotz Warnungen in voller Fahrt quer durch ein riesiges Eisfeld. Und dabei dachte ich jetzt nicht einmal (ehrlich!) an eine beeindruckende Reihe von UnternehmerInnen des Jahres, die kurz drauf pleite waren. Passt aber auch.

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