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Demotivationsfaktor Vorgesetzter: Wie erziehe ich meinen Chef?

Dezember 27, 2011

Einer der größten Demotivationsfaktoren am Arbeitsplatz ist der direkte Vorgesetzte. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Untersuchung zur Mitarbeitermotivation.

Zu handwerklichen Fehlern bei
- der Organisation von Führung,
- dem Einsatz der Führungsinstrumente und der
- stärkengerechten Verteilung von Aufgaben kommen oft noch
- Unzulänglichkeiten in der Persönlichkeit und Kommunikation des Führungsverantwortlichen hinzu.

Die Konsequenzen sind der
- Verlust der Klarheit und Richtung der Führung, der
- Verlust des Vertrauens,
- der Verlust des Engagements der Mitarbeiter und damit letztlich
- schlechte Resultate und der
- Verlust der besten Mitarbeiter.

Abgesehen davon, dass kein Mensch gezwungen werden kann, etwas gegen seinen Willen zu tun (außer mit Waffengewalt), hat der Arbeitgeber und in dessen Vertretung die Führungskraft ein Weisungsrecht, was die zu erledigenden Aufgaben des Mitarbeiters betrifft. Insofern übernimmt der Arbeitnehmer mit der Eingehung eines Arbeitsvertrages bestimmte Pflichten und gibt einen Teil seiner Rechte auf Selbstbestimmung ab. Was nicht bedeutet, dass wir alle einen Sattel tragen sollten, damit der Chef besser auf unseren Nerven herumreiten kann. In nicht wenigen Arbeitsverhältnissen gilt das Primat der höher bezahlten Meinung. Unter Meinungsaustausch wird hier der Vorgang verstanden, dass der Mitarbeiter mit seiner Meinung zum Chef geht und mit dessen Meinung wieder heraus kommt. Das wird Sie persönlich alles nicht betreffen, aber ich hörte solche Beispiele zu Hauf von meinen Teilnehmern ;-) Die Betroffenen können sich selbstverständlich in sich rein und auf Dauer krank ärgern. Häufiger genossen macht das auch etwas mit dem Selbstwertgefühl und bestimmt nichts Gutes. Die Auswirkungen auf  Laune und Wohlbefinden sind auch nicht zu unterschätzen und im ungünstigen Fall wird das alles auch noch mit nach Hause genommen – die Partner und Kinder werden sich freuen. :-(
Hinzu kommt noch, dass Chefs vor solchen Mitarbeitern aber auch gar keinen Respekt haben, was sich dann gleichfalls auf die Karriereaussichten unserer netten Mitarbeiter auswirkt.
Bevor wir jedoch schlussendlich daraus die Konsequenz ziehen, uns einen anderen Arbeitsplatz zu suchen, stellt sich aus meiner Sicht die Frage:
Wie können wir unseren Chef ein Stück weit erziehen, damit er nicht pausen- und gedankenlos unsere Motivation und damit unser Engagement beschädigt?
Für unsere körperliche und seelische Gesundheit empfohlene Varianten:
-mit der 2-Gewinner-Strategie aktiv werden
- die „Ich-Botschaft“
- eine spezielle Form des „Nein“ sagens
- Ziele und Spielregeln vereinbaren und kontrollieren. Hierzu auch: Konstruktiv kritisieren. Was? Warum? und Kontrolle und konstruktive Kritik

Hier einige von meinen Trainingsteilnehmern häufiger genannten Beispiele mit Lösungsansätzen:

Unser Chef lässt uns trotz vereinbarter Termine warten und / oder telefoniert längere Zeit, während wir bei ihm sitzen und Däumchen drehen.
Ein Lösungsvorschlag, der sich in der Praxis bereits mehrfach bewährt hat, ist ein Vorgehen basierend auf der 2-Gewinner-Strategie. Wir sitzen also wartend herum, unser Chef bittet uns herein oder legt gerade den Telefonhörer auf. Sollte er eine einigermaßen gute Kinderstube genossen haben, wird er jetzt irgendetwas wie eine kurze Entschuldigung murmeln, oft natürlich ohne es zu versäumen, sich zusätzlich zu rechtfertigen á la “da war noch was gaaaanz Wichtiges”, na ja, auf jeden Fall war es wichtiger als wir.
Jetzt treten wir in Aktion – erster Schritt:
- die positive Unterstellung
Ich bin sicher, dass das von äußerster Wichtigkeit und Dringlichkeit war, sonst hätten Sie mich ja nicht warten lassen (bitte darauf achten, dass das ganz ernsthaft und nicht ironisch klingt!)
weiter
- klare Aussage über Befindlichkeit / Ich-Botschaft
Sie wissen, ich warte natürlich nicht gerne, weil ich die von Ihnen bezahlte Zeit lieber für meine Aufgaben verwende
und dann Lösung
- Ich glaube, ich werde mir zukünftig Arbeit zu unseren Terminen mitnehmen, damit ich etwaige Wartezeiten sinnvoll nutzen kann (lächeln nicht vergessen, denn das soll ja eine konstruktive Lösungsidee sein und keine Drohung)
Sollte diese Situation wieder vorkommen, sind wir gewappnet. Wir packen unsere mitgebrachte Arbeit aus und beginnen zu lesen, anzustreichen, Notizen zu machen u.s.w. Sobald unser Chef parat ist, sagen wir: “Kleinen Moment noch, gerade noch diesen Gedanken zu Ende führen” und lassen unseren Chef einige Sekunden warten. Damit er weiß, wie sich das anfühlt. Damit er sieht, wie ernsthaft wir die von ihm mittel- oder unmittelbar bezahlte Zeit nutzen. In den bisherigen Anwendungsfällen hörte die Warterei nach wenigen Malen auf oder wurde zumindest stark reduziert. Oft bekam die Assistenz Anweisung keine Gespräche mehr durchzustellen. Oder der Boss entschuldigte sich im Voraus dafür, dass er ein wichtiges Gespräch annehmen muss.

Situation – unser Chef lässt uns ad hoc zu sich rufen, ohne das wir wissen, um was es geht oder wie lange es dauert, meist über die Assistenz.
Gerade in meinen Seminaren zur persönlichen Arbeitsorganisation kommt von den Teilnehmern häufig die Aussage, dass ihre Vorgesetzten die größten Zeitdiebe und Hindernisse für die eigene Planung sind. Unter diesen Voraussetzungen wird Planung zum Ersetzen des Zufalls durch den Irrtum.
Aktion – wir fragen die Assistenz: “Was ist das Thema? Was ist das Ziel? Was kann ich vorbereiten und mitbringen? Wie lange wird es etwa dauern?” Üblicherweise weiß es die Assistenz selber nicht, weil keine Information darüber gegeben wurde. Wir gehen also zunächst genauso unvorbereitet wie üblich zu unserem Boss. Sind wir da, sagen wir in z.B.:
- positive Unterstellung
Ich bin sicher, die Sache wurde außerplanmäßig wichtig für Sie.
- klare Aussage über Befindlichkeit / Ich-Botschaft
Sie wissen, ich gehe generell natürlich lieber gut vorbereitet in unsere Gespräche.
und dann Lösung
- Wären Sie bereit, Herrn/Frau (Assistenz) wenn möglich Thema, Ziel und Dauer zu geben?
Dann kommt erst einmal unser Gespräch “surprise”. In der Regel geschieht anschließend erst mal – gar nichts.
Nun ist es wichtig, durchzuhalten und der Assistenz, oder dem Chef, falls er selber anruft, immer wieder die o.g. Fragen zu stellen. Die Praxiserfahrungen meiner Teilnehmer zeigen, dass sich in fast allen Fällen bereits nach wenigen Anwendungen ein Lerneffekt zeigt. Wir vermeiden damit, zumindest teilweise, unangenehme Überraschungen, die Effektivität der Gespräche wird besser und unsere Wirkung auf den Vorgesetzten auch.

Eine Situation, die etwas heikel ist -
unser Chef drückt uns ständig neue, zusätzliche Aufgaben in die bereits ausgelastete Planung. Erst einmal – Kompliment. Das machen Chefs meist nur bei guten Mitarbeitern, denen sie die wunschgemäße Erledigung auch zutrauen. Leider führt das in der Praxis häufig dazu, dass die Besten in die Überlastung driften, während sich die Pflaumen einen Lenz machen und Spezialisten darin werden, beschäftigt zu tun.
Zuerst mal – der Chef darf das. Hier ist unser Job nicht, “Nein” zu sagen, außer wir sind dieses Jobs überdrüssig und brauchen auch kein gutes Zeugnis, weil wir uns anschließend selbstständig machen.
Was wir an dieser Stelle tun können ist -
“Ja, und …” zu sagen.
Wir beginnen:
- positive Unterstellung
Ich bin sicher, die Sache ist sehr wichtig und dringend. (kurze Pause, vielleicht kommt jetzt eine Abschwächung oder zeitliche Verlagerung)
- klare Aussage über Befindlichkeit / Ich-Botschaft
Sie wissen, wenn das für Sie oberste Priorität hat, schiebe ich etwas anderes nach hinten.
und dann Lösung
- Ich arbeite zurzeit Projekt A, B, C. Welches möchten Sie geschoben haben?
Häufiger kommt dann die Antwort des Chefs: “Das schaffen Sie schon.” Diese psychologisch hoch geschickte und motivierende Antwort haben einige Vorgesetzte leider in ihrem Standardrepertoire. ;-)
dann, zur “Motivation” des Chefs: aufzeigen der Konsequenzen
Wir antworten dann z.B.: “Selbstverständlich würde ich das schaffen. Es gibt dann nur zwei Konsequenzen – erstens, die Qualität der Projekte  leidet. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Sie das möchten, oder? (Antwort abwarten, voraussichtlich: Nein). Oder ich muss private Verpflichtungen schieben, weil meine geplante Arbeitszeit von 10 Stunden täglich für dieses Pensum nicht ausreicht – und Sie wissen, wie ungerne ich unzuverlässig bin. Wenn das aus Ihrer Sicht ausnahmsweise notwendig ist, mache ich es trotzdem. Wie entscheiden Sie sich?

Generell gilt die Empfehlung, bei uns übertragenen Verantwortungen/Aufgaben
- diese klar zu umreißen,
- möglichst ein konkretes Ziel zu vereinbaren,
- unsere Entscheidungskompetenzen zu klären und
- die zur Verfügung stehenden Mittel/Rahmen abzusprechen.

Sie sehen, die Erziehungsarbeit geht hier in Richtung einer besseren Organisation des Vorgesetzten und durch den Vorgesetzten. Erfahrungsgemäß muss leider gesagt werden, dass es damit bei vielen nicht weit her ist und so manches Projekt wochenlang selig auf dem Schreibtisch des Chefs schlummert, bevor es dann plötzlich und unerwartet brandeilig wird. Ein Phänomen, das wir auch jährlich wiederkehrend vom 24.12. kennen, wenn die letzten plötzlich Erwachten noch Heiligabendnachmittag durch die Geschäfte hetzen. Selbst wenn wir im konkreten Fall keine Veränderung herbeiführen können, weil die Rahmenbedingungen so sind, wie sie nun mal sind, führt dieses Vorgehen nach den Erfahrungen meiner Trainingsteilnehmer dazu, dass zumindest für die Zukunft eine Verbesserung eintritt.

Vielleicht haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser noch weitere Beispiele, in denen es sinnvoll ist, den Vorgesetzten positiv zu einem Lernerfolg zu begleiten. Und Sie haben möglicherweise schon bewährte Lösungsansätze dazu, oder Fragen – bitte lassen Sie uns daran teilhaben und schreiben Sie gerne.

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